Saturday, 7 November 2015

Kein Verantwortungsethiker in Sicht


Merkel tut entweder nichts, was gar nicht so verkehrt ist, denn wer nichts tut, macht keine Fehler. Oder sie entscheidet hysterisch und impulsiv. Dann richtet sie großen Schaden an, einen Schaden, der dann im Laufe von Jahren oder Jahrzehnten mühsam repariert werden muss. "Sie kann es nicht", sagte Gerhard Schröder und "die macht mir mein Europa kaputt", meinte Helmut Kohl. Beide hatten wohl recht.

Ich gestehe es gleich, ich bin kein Freund von Helmut Schmidt. Nicht etwa, weil er selbstgefällig und eitel ist, das sind menschlich-allzumenschliche Schwächen, die ich gerne toleriere. Nein, es gibt da einen Vorfall, den ich nicht vergessen werde. Es mag vor vielleicht 30 oder 35 Jahren gewesen sein, da hörte ich im Radio ein Gespräch mit Helmut Schmidt und Kindern einer Schulklasse. Als die Rede auf die Zeit des Nationalsozialismus kam, fragte ein Schüler nach Deutschen, die Widerstand geleistet haben. Helmut Schmidt ließ den Schüler nicht einmal ausreden, er unterbrach ihn und sagte schroff: "es gab keinen Widerstand." Das hat mich aufgebracht. Natürlich gab es ihn. Leider viel zu wenige und oft sogenannte "kleine Leute" haben geholfen, haben den einen oder anderen versteckt, einem dritten über die Grenze geholfen. Diese wahrhaft großen "kleinen Leute" hat Helmut Schmidt mit einem Wisch vom Tisch gewischt, hat sie verleugnet und schwer beleidigt. Das habe ich ihm nicht verziehen. Die deutschen Verdrängungsweltmeister hatten ja ihren Vorzeigewiderständler, den Grafen von Stauffenberg. So ein guter Graf hat einen enormen Vorteil: mit ihm muss sich kein kleiner Feigling identifizieren, denn so ein von Stauffenberg hatte ja ganz andere Möglichkeiten als der kleine Feigling, der doch gar nichts machen konnte. Mit der kleinen Bäuerin oder dem kleinen Arbeiter, die mutig einen Juden auf dem Heuschober oder im Keller versteckten, hätte sich der kleine Feigling wohl oder übel indentifizieren müssen. Die hatten nämlich nur eine Möglichkeit: Mensch sein.

Trotzdem hat Schmidt in der Blütezeit seiner Kanzlerschaft gezeigt, wie man konsequent und intelligent Krisen vermeidet und auch, wie man Krisen bewältigt. Martin Schleyer und Mogadischu seien beispielhaft genannt. Von Gefühlsduselei und Schwärmerei hielt der Hamburger nämlich gar nichts. Er sagte auch, er würde, wenn er Visionen hätte, zum Arzt gehen. Dabei war er kein Unmensch, der es sich bei diesen schweren Entscheidungen leicht gemacht hätte. Nein, er hat seinen Kopf benutzt, den Kopf, den die Kanzlerin und ihre Claqueure verloren haben oder erst gar nicht hatten.

Einem Verantwortungsethiker wie Helmut Schmidt traue ich zu, den kaputten Kanzlerinnen-Karren aus dem selbst gemachten Dreck ziehen. Aber so einer ist nicht in Sicht.



Pfui, Herr Mannke!

Sie haben sich als rechts-hetzerisch-populistisch-nazihafter Dunkeldeutscher offenbart! Aber ich bin mir sicher, dass Sie ein gewaltiger Shitstorm aus dem Philologenverband blasen wird. Sie haben sich "auch vor 1989 nicht den Mund verbieten lassen" und stehen immer noch zu Ihrer Einschätzung? Dann sind Sie aber ganz falsch in Helldeutschland.

http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/sachsen-anhalt-philologenverband-distanziert-sich-von-warnungen-vor-muslimen-a-1061639.html

http://www.phvsa.de/files/gisa/Zeitschrift_03-2015_WEB.pdf

Friday, 6 November 2015

Schweden jetzt auch isoliert

Am 22. Oktober 1957 titelte die London Times: Heavy fog in channel. Continent cut off. Über diese herrliche Headline lachen wir immer noch. Der arme Kontinent war abgeschnitten von England, war vollkommen isoliert und hilflos. Ein Schock für alle Kontinentaleuropäer, die nun tagelang ohne englische Lebensmittel darben mussten und einem grausamen Hungertod entgegensahen, wenn der Nebel sich nicht schnellstens lichtet.

Heute sind es Frau Merkel und ihre Clique, die ein Land nach dem anderen isolieren. Zuerst Ungarn, dann Tschechien und Slowenien. Gestern gesellte sich Schweden zu den Isolierten:

http://www.spiegel.de/politik/ausland/schweden-kann-fluechtlinge-laut-minister-nicht-mehr-unterbringen-a-1061378.html

Dabei hat Schweden bisher im Verhältnis zur Einwohnerzahl die meisten Einwanderer aufgenommen. Aber jetzt zeigen auch sie der deutschen Kanzlerin den Vogel, den sie hat.

Nehmen wir an, ich will in einem plötzlich Anfall von Wahnsinn eine gigantische Party feiern und lade unbegrenzt viele Gäste ein ("es gibt keine Obergrenze!"). Nach kurzer Zeit merke ich, dass meine Wohnung aus allen Nähten platzt, der Kühlschrank leer ist und einige unzufriedene Gäste anfangen, mein Mobiliar zu zerlegen. Was tue ich? Gebe ich zu, etwas Irrsinniges getan zu haben? Niemals. Ich bleibe bockig und erzähle jedem, dass man "in Zeiten des Internets keine Wohnungstür abschließen kann."

Aber wozu gibt es Nachbarn? Also klingele ich an jeder Nachbartür und verlange, dass die gefälligst meine Gäste übernehmen und bewirten. Natürlich würden mir die Nachbarn den Vogel zeigen, den ich hätte. Das werden sie mir büßen. Ich werde diese Nachbarn einfach isolieren.


Vorsicht Gut-Gemeint-Falle

Je offensichtlicher Merkels Totalversagen wird, desto eindringlicher wird das "gut Gemeinte" in den Fokus gestellt werden. Ein weises Sprichwort sagt: gut gemeint ist meistens das Gegenteil von gut gemacht.
Und: diametral entgegengesetzt hatte mal ein kleiner Österreicher es angeblich nur gut gemeint,  hatte nur an das deutsche Volk gedacht und ganz Europa verwüstet. Heute meint es die deutsche Kanzlerin angeblich nur gut und denkt nur an die ganze Welt. Das Ergebnis könnte ähnlich ausfallen...

Die Tage sind gezählt

Der aktuelle Spielstand:
25:3 für die isolierten europäischen Staaten. 25 winken die Völkerwanderer durch nach Deutschland, drei Staaten nehmen noch(!) Migranten auf. Deutschland weiterhin nicht isoliert. Wenn die "Willkommenskultur" in "Mussgehenskultur" umschlägt, wird's brenzlig in Deutschland. Auch wörtlich. Übrigens, es gibt eine Obergrenze, Frau Merkel, aber vielleicht eine andere, von Ihnen nicht bedachte: wenn erst eine kritische Masse importiert wurde, wird sie sich nicht mehr exportieren lassen. Und ja, Frau Merkel, "in Zeiten des Internets" kann anscheinend jeder Türke eine 7000km-Grenze errichten und überwachen. Aber auch Ihre Gäste können sich "im Zeitalter des Internets" vernetzen und gemeinsam ihr "Bleiberecht" und bestimmt auch ein paar andere Rechte durchsetzen. Aber bis dahin haben Sie ja schon einen sicheren Posten bei der UN, nicht wahr?  



Thursday, 5 November 2015

Na, Herr Lobo, heute schon Flüchtlingsbetten gemacht?

http://www.spiegel.de/netzwelt/web/rechtspopulismus-im-netz-opferkult-nach-troll-art-kolumne-a-1061024.html


Sascha Lobo ist eigentlich ein ganz netter Kerl. Im Spiegel online beackert er alles was mit dem Internet zu tun hat und schreibt mitunter recht elegante und kenntnisreiche Artikel.

Die schlimmste Fessel der Menschheit ist für ihn wohl die Vorratsdatenspeicherung. Das ist sein Thema probandum, an dem er sich fast wöchentlich abarbeitet. Er würde wohl einen Asteroideneinschlag gerne in Kauf nehmen, nur damit diese teuflische Vorratsdatenspeicherung mit einem Schlag [sic!] vom Tisch ist.

Ab und zu wildert der Mann mit dem putzigen Irokesenhaarschnitt auch in anderen Revieren, also in dieser fremdartigen Offline-Welt ohne Bits und Bytes. Dann kann es unfreiwillig komisch werden.
Zunächst überzeugt er überhaupt nicht mit dem Versuch, den klassischen "Internet-Troll" auf die analoge Welt zu übertragen. Da verkrampft er sich notwendiger Weise und konstruiert in seinem Artikel einen "Troll", den es so nie gab. Der Troll präsentierte sich nicht als "Opfer", das sich nun wehren müsste. Da gingen Herrn Lobo die digitalen Pferde durch.

Die über 50-Jährigen, also auch meine Kleinigkeit, kommunizierten schon fleißig im Usenet, als es die heutigen Internetforen noch gar nicht gab. Der "Troll" war ein anonymer Provokateur, dem es Spaß machte, eine Diskussion aufzumischen. Er vertrat keine eigene Ansicht, sondern streute absichtsvoll konträre Meinungen in einen Thread, um den Laden gründlich zu demolieren, möglichst die Diskussion zu zerstören. Beispielsweise hätte er eine Diskussion über die ideale Vorgartenbepflanzung durch seine "Meinung" durchandergewirbelt, dass Vorgärten ein kitschiges Relikt aus der Zeit des Biedermeier sind und plattgemacht werden müssten. Ungeübte Foristen schrieben dann wütend dagegen an, was den Troll köstlich amüsierte. Die Geübten witterten sofort, worum es geht und stellten oft ein aus ASCII-Zeichen hübsch gemaltes Schild in den Thread: "Don't feed the troll", soll heißen, Trolls können durch Nicht-Beachtung ausgehungert werden. Sie verlieren das Interesse an der kurzweiligen Provokation.






Diesen Troll will Herr Lobo nun in allen Menschen sehen, die sich gegen die "Flüchtlingspolitik" der Bundesregierung wehren. Sie, so Lobo, jammerten nur rum und wollen sich als Opfer sehen, obwohl sie doch niemand bedrohe. Nun sind diese analogen Trolle nicht anonym, im Gegenteil, sogar ihre Häuser sind bekannt und werden von guten Menschen gerne auch mal angezündet. So ganz offline. Diesen Trollen empfiehlt unser Netzkämpfer, doch mal in die Flüchtlingsheime zu gehen und mit Flüchtlingen zu reden. Aha. Gute arabische Sprachkenntnisse setzt Menschenfreund Lobo natürlich voraus. Aber wozu gibt es Volkshochschulen.

Herr Lobo, vielleicht möchten Sie mal ihren warmen Rechner verlassen und mit den Helfern und Polizisten reden, die sich mit dem Merkel-Anfall Tag und Nacht auseinandersetzen müssen. Sie haben bestimmt ein offenes Ohr für die Forderungen der Flüchtlinge nach besseren Betten, besserem Essen und besseren Häusern. Und wenn Sie schon mal da sind, können Sie gleich tatkräftig mithelfen. Es ist noch früh am Tage, also Maus hinlegen, und los geht's.  

Ein paar üble Ketzereien:

1. PhysikerInnen sagt man nach, dass sie klar und folgerichtig denken können. Kann es sein, dass man in der DDR ein Physikexamen bestehen konnte, wenn man nur artig Parteilinien nachzeichnete?
2. Der Vater der deutschen Bundeskanzlerin machte vom Westen in den Osten rüber. Möglicher Weise hielt er Frieden und Bananen für unvereinbar. So etwas prägt...
3. Und wenn die FDJ-Sekretärin und IM Erika Merkel für Margot Honecker arbeitet? Auftrag: der kapitalistische Klassenfeind muss vernichtet werden. "Das schafft sie."

   

Wednesday, 4 November 2015

Maischberger und der Humanismus


Die Ossifizierung der deutschen Sprache ist bis in die Schreibstuben der Leitmedien vorgedrungen. Als waschechter Wessi staune ich über die inzwischen wohl selbstverständliche Verwendung des Begriffs "Humanismus" und muss mich jedesmal neu orientieren. So auch bei der Lektüre eines Artikels von Mathias Zschaler im heutigen Spiegel online.

http://www.spiegel.de/kultur/tv/maischberger-talkshow-zur-fluechtlingskrise-ihr-urteil-ist-mir-voellig-schnurz-a-1060972.html

In der ehemaligen DDR war jeder Genosse ein Humanist, der einer betagten Genossin über die Straße half. Ein Wessi nannte so eine gute Tat menschlich oder meinetwegen human. Humanistisches Denken und Handeln bezog sich eher auf die Annahme, dass die griechisch-römische Tradition uns viel Helles zu bieten hat. Ex occidente lux könnte man sagen, eine Denktradition, die, sehr grob gesagt, irgendwann von Herrn Thales aus dem damals reichen Milet angestoßen wurde. Eine andere Lichtgestalt aus der römischen Welt ist Cicero, den man getrost als einen der Erfinder des Individuums bezeichnen kann. Damit hat er den Grundstein gelegt für die zentralen Begriffe Menschenwürde und Menschenrecht, die auch heute (noch...) im deutschen Grundgesetz die wichtigste Rolle spielen. Dieser skeptische Freigeist hat den Begriff des Naturrechts entwickelt, und er hat etwas ganz Wesentliches gesagt, etwas, das in der muslimischen Umma 2015 noch nicht angekommen ist: in seiner "De natura deorum" (vom Wesen der Götter) sagt er klipp und klar, dass wenn Götter beleidigt werden, die Götter selbst strafen sollen (wenn sie wollen).

Bei Maischberger parlierten wie üblich wiedervereinigte menschelnde Humanisten und natürlich Anti-Humanisten, die nur Anti-Humanistisches zu melden hatten. Norbert Blüm vertrat selbstverständlich den humanistischen Block, wogegen die anti-humanistische Fraktion von dem anti-humanistischen Slowaken Richard Sulik würdig vertreten wurde. Dieser Mann hatte in seiner Schulzeit womöglich den rechten Hetzer Cicero gelesen und verstand Toleranz immer als "wehrhafte Toleranz", das heißt, eine Toleranz, die Selbstaufgabe oder -mord nicht vorsieht. So sprach er sich gegen die unkontrollierte Masseneinwanderung von jungen muslimischen Männern aus, die, wenn sie sich erst warmgelaufen haben, gewisse Verwerfungen und Unwuchten in einer (noch) offenen Gesellschaft verursachen könnten. Für den humanistischen Block entgegnete Herr Blüm ganz unverblümt, dass er diese anti-humanistische Auffassung überhaupt nicht gutheißt. Der selbe Rentensicherer Blüm erklärte auch feierlich, dass Europa und nicht Deutschland seine Heimat sei. Das hört sich erstmal gut an, zumindest, wenn man den Schengenraum mit Europa gleichsetzt. Einem unverbesserlichen Wessi wie mir, dem zu Europa zu allererst die schon erwähnten Denker und dazu noch der helle John Locke, der freche Voltaire, der Klardenker Kant und der ironische Heine und noch einige andere einfallen, wird ganz blümerant bei dem Gedanken, wie Blüms Europa in 10-20 Jahren aussehen könnte.

P.S. Gerade fällt mir noch ein grausames Beispiel ostdeutscher Sprachverstümmelung ein, die jetzt auch im Westen oft zu vernehmen ist: "KMH", gesprochen wie geschrieben. Aus dem mathematisch korrekten "Kilometer pro Stunde" (Westdeutschland, 1945 bis 1989) wurde das vollkommen sinnlose Kilometer mal Stunde. Die Engländer machen es richtig: mph wird grundsätzlich "miles per hour" ausgesprochen.
Vorschlag zur Güte: wer zu faul ist, "Kilometer pro Stunde" (km/h) auszusprechen, könnte vielleicht "KM pro H" oder noch kürzer und am Englischen orientiert "KMPH" sagen? Nur damit "das Volk der Dichter und Denker" sich nicht vollends lächerlich macht.    

Tuesday, 3 November 2015


SPECTRE - nicht ohne Roland Barthes



Es gibt nur wenige Sachbücher, die nach 58 Jahren noch immer aktuell und kaufenswert sind. 
Roland Barthes' "Mythen des Alltags" ist eines davon. 
Was ist denn das Besondere an diesen Texten, die alle zwischen 1954 und 1956 verfasst wurden? 
Aus damaliger Sicht sicher die außergewöhnlichen Themen und Gegenstände von Barthes' Analysen. 
Da wird zum Beispiel die Welt des Catchens genauer unter die Lupe genommen, 
Wein und Milch miteinander verglichen, die Eigenart eines Beefsteaks oder von Pommes Frites herausgeschält 
und das Gesicht von Greta Garbo genauer betrachtet. Weil in der akademischen Welt des letzten Jahrhundert 
schon allein die Titel von Barthes' Essays für Aufsehen sorgten, führe ich noch einige der 53 intellektuellen 
Leckerbissen auf. Es sind dies: Die Kreuzfahrt des Blauen Blutes, Marsmenschen, Ehegeschichten, 
Romane und Kinder, Wie Paris nicht unterging, Bichon bei den Negern, Einsteins Gehirn, 
Die Tour de France als Epos, Striptease, Astrologie, Plastik, der neue Citroën.

Roland Barthes schrieb nicht um des Schreibens willen, sondern verfolgte das Ziel einer Ideologiekritik, 
die sich auf die Sprache der Massenkultur richtet. Zudem wollte er diese Sprache semiologisch demontieren. 
Dass jede Betrachtung auch ein Kind seiner Zeit ist, war Roland Barthes natürlich bewusst. 
Daher schreibt er zur Neuauflage von 1970, dass die Ideologiekritik nach dem Mai 1968 der 
Verfeinerung bedarf und sich die semilogische Analyse weiterentwickelte, genauer, 
komplexer und vielfältiger geworden ist. Daher könnte er zumindest in der Form dieses Buches keine 
neuen Mythologien schreiben. Doch das war vielleicht auch nicht notwendig, da Barthes' Buch 
einen großen Einfluss hatte und den Untersuchungsgegenstand "Alltag" überhaupt salonfähig machte.

Erst nachdem Roland Barthes eine Reihe damals aktueller Ereignisse untersucht hatte, 
unternahm er den Versuch, den zeitgenössischen Mythos zu definieren. Dieser Text, der natürlich 
alles andere als nur ein schwacher Versuch ist, findet sich ebenfalls in diesem Band und umfasst 
lesenswerte 65 Seiten. Das Erstaunliche ist, dass vieles von Barthes' Theorie noch immer Gültigkeit hat. 
Klar entwickelte sich auch die Semiotik weiter. Klar trägt die Neurologie zur Wahrnehmung von Symbolen Neues bei. 
Doch ersetzt man einige Begriffe und reichert Barthes' Thesen mit Zeitgemäßem an, 
so sind sie noch immer erhellender als viele Publikationen, die seine Berufskollegen in den letzten Jahrzehnten 
vorgelegt haben.

Mein Fazit: Der 1980 in Paris verstorbene Roland Barthes hat mit "Mythen des Alltags" nicht nur 
einen Klassiker geschrieben, sondern Untersuchungen über den Alltag salonfähig gemacht. 
Auf Vorschlag von Michel Foucault wurde er 1976 ans Collège de France auf den eigens für ihn 
geschaffenen Lehrstuhl "für literarische Zeichensysteme" berufen. 
Dass er diese Ehrung mehr als verdiente, beweist die Neuauflage dieses Buches. 
Bitte lesen und sich an der Brillanz dieses außergewöhnlichen Intellektuellen erfreuen.


Aufgespießt:
Die Deutschen sollten mal öfter in die Kirche gehen, dann müssten sie auch die Islamisierung nicht fürchten. 
Wenn aber heute kaum noch wer wisse, was Pfingsten ist, müsse man sich nicht beklagen. 

So der Tenor der deutschen Rautenkönigin und ihrer Hofschranzen. 
Dazu sag ich mal: auch die Christen in den islamisch regierten Ländern würden gerne vor 
ihrer Enthauptung in die Kirche gehen. 
Leider sind Kirchen entweder gesprengt worden oder durften erst gar nicht gebaut werden. 
Aber wahrscheinlich muss auch hier differenziert werden bis der Arzt kommt. 


Hey Mr. Ray, folgen auch Sie den Worten unserer Kanzlerin!
Einfach öfter in die Kirche gehen, dann passiert das nicht...

https://uk.movies.yahoo.com/post/132465562941/citizen-khan-star-adil-ray-reveals-hes-had-death

Monday, 2 November 2015

Assad muss weg - Islamischer Staat muss her


Wir kennen Vereinbarungen oder Verträge, die einen sogenannten Haken haben: das Erwünschte wird oft nur gewährt, wenn wir auch gewisse Unannehmlichkeiten in Kauf nehmen. Das heißt, man kann das eine nicht ohne das andere haben. Da heißt es abwägen. Überwiegen die Vorteile, sind die Nachteile womöglich unzumutbar? Eine alltägliche Übung für uns. Wenn es um die sogenannte große Politik geht, werden diese Überlegungen offensichtlich nicht angestellt. Hauptsache, irgendwas oder irgendwer ist weg.

Dabei wäre es dringend geboten, nicht nur die Frage "was kommt weg?" zu stellen, die ja meistens einfach zu beantworten ist, sondern immer auch die Frage "was kommt danach?"
Großer Jubel brach vor allem unter Studenten aus, als der westlich gesinnte (also amerikahörige) böse Schah von Persien entmachtet wurde und der heiß ersehnte anti-westliche "Revolutionsführer"Ayatollah Chomeini aus dem Exil zurückkehrte und den persischen Laden übernahm. Der Schriftsteller Salman Rushdie jubelte nicht so laut, denn er kassierte eine Fatwa von Chomeini und muss sich bis zu seinem Lebensende verstecken, um einer Hinrichtung durch die islamischen Häscher zu entgehen. Das ist nicht ganz so schön, aber warum hat der Kerl auch "Satanische Verse" publiziert, die jeden empfindlichen Moslem beleidigen mussten. Irgendwie hat er selber Schuld, der Salman.

Ich kann mich nicht erinnern, dass Mahnwachen oder Lichterketten auf deutschem Boden auf das Verbrechen des "Revolutionsführers" aufmerksam gemacht hätten. Das sind halt kulturelle Eigenheiten, die toleriert werden müssen. Dazu kommt, dass so eine Fatwa beliebig ausgedehnt werden kann, und eine Bombenexplosion mitten in der Studenten-WG stört den Diskurs über alternative Essgewohnheiten erheblich. Da lässt man doch besser die Öko-Finger von so einer kultur-internen Zankerei, in die sich ein deutscher Student nicht einmischen sollte, auch wenn er sich sonst in alles einmischt.

Nachdem der "Arabische Frühling" all die bösen Diktatoren weggefegt hatte, freuten sich Studenten und Saudis gleichermaßen. Zwar herrschen in den "befreiten Ländern" nun brutale Islamfaschisten, aber hey, das ist zum Glück anti-westliche Kultur. Wie können wir uns erdreisten, unsere Maßstäbe von "Aufklärung" oder gar "Demokratie" anzulegen?

Sonst werden bei jeder Gelegenheit durch und durch westliche Maßstäbe angelegt. "Revolution". Immer gut, auch wenn diese Revolutionen islamischer Spielart mit der amerikanischen, französischen oder auch russischen Revolution nichts zu tun haben. Aber jedes Aufbegehren gegen den verachteten Westen wird als "Revolution" gefeiert.

Auch Assad ist so ein ganz schlimmer Finger, der sogar auf sein eigenes aufständisches Volk schießen ließ. Damit reiht er sich in die Gruppe der Despoten wie etwa den russischen Zaren ein. So etwas wäre Stalin nie passiert. Der hätte sich lieber entmachten lassen als einen einzigen Genossen zu erschießen oder in den Gulag zu schicken.

Assad ist aber auch bei den Saudis nicht gut gelitten. Ein Mann, der Kopten, Jesiden, Christen und sogar einige Juden leben und nicht enthaupten lässt, versaut die ganze Region. Da ist es nur konsequent, den regions-kompatiblen "Islamischen Staat" mit Geld zu Waffen zu versorgen. Alle guten Menschen wollen Assad vertreiben, und die Saudis feixen. Klappt doch alles wie am Schnürchen. Die Saudis denken eben an die Zukunft. Nur durch einen geologischen Zufall (Erdöl unter den Füßen) sind sie unglaublich reich und unglaublich mächtig geworden. Wenn dieses Naturgeschenk von den (leider) erdölabhängigen Industriestaaten nicht mehr so dringend benötigt wird, weil man selbst genug Erdöl hat (wie inzwischen Amerika) oder andere Wege der Energiegewinnung findet, sieht's mau aus in Saudi-Arabien. Nur der Dattelexport oder Kamelrennen finanzieren nicht den zwanzigsten Ferrari der verwöhnten kleinen Prinzen. Bis dahin muss der Islam im Nahen und Mittleren Osten, aber auch in Europa fest etabliert sein und möglichst überall das Ruder übernehmen. Es gibt noch einiges zu tun, aber sie packen es an.    
 



    

Sunday, 1 November 2015

Querfrontalschaden

Ich schaue fast täglich in den "Cicero" (Magazin für politische Kultur) und verpasse selten die Kolumne von Alexander Grau. Ich mag den Mann, obwohl er immer recht kleine Portionen serviert, die mir zwar meistens schmecken, mich aber nicht sättigen. Vielleicht ist das Honorar zu dürftig, vielleicht braucht Herr Grau das Zeilenhonorar nicht so dringend, jedenfalls denke ich nach der Lektüre immer, dass es auch etwas mehr und ruhig etwas schärfer hätte sein können.

In seiner letzten Kolumne schreibt er über eine deutsche Strömung, die sich "Querfront" nennt. Die sei zwar nicht gerade neu, würde aber an Mächtigkeit zulegen und sei vor allem in der bürgerlichen Mitte angekommen, was auch bedeutet, dass einige der Apologeten dieser Strömung der schreibenden Zunft angehören.

Wodurch zeichnet sich diese Querfront aus? Sie hat aus den Filetstücken von Rechts, also Hass auf Amerika und Antisemitismus und jenen von Links, also Antizionismus und Amerikahass ein modisch-manichäisches Weltbild gezimmert. Für jedes Unheil dieser Welt sind Amerika oder Israel oder beide verantwortlich zu machen, oder um es ganz klar zu sagen: der Westen ist an allem Schuld. Um im manichäischen Schwarzweißbild zu bleiben, ist der Westen also das Reich der Finsternis, alle anderen gehören dem Reich des Lichts an, natürlich nur, wenn sie Amerika und mit ihm den Westen verachten. Die Bundesrepublik Deutschland wird als Lakai und Erfüllungsgehilfe der finsteren USA wahrgenommen, also gehört auch sie zum Reich der Finsternis.

Da die Schuld für alles der Westen trägt, werden abenteuerliche Kausalketten fabriziert. Wenn z.B. unterdrückte Anhänger des "Islamischen Staates" ein paar Dutzend Christen enthaupten, trifft die in der Tat anti-westlichen Henker keine Schuld, denn ohne die Waffenlieferungen des Westens gäbe es keinen Islamischen Staat. Nicht die Henker haben enthauptet, sondern in Wahrheit der Westen. Quod erat demonstrandum.
Schon als am 11. September 2001 über 3000 Menschen in New York ermordet wurden, haben die Querfrontler sofort gewusst, dass es sich unbedingt um einen "Inside-Job" der CIA oder des israelischen Mossad gehandelt haben könnte. Aber selbst wenn der unterdrückte Hamburger Student Atta zusammen mit anderen gedemütigten Muslimen diesen Job alleine gemacht hätte, wäre der Westen dafür verantwortlich zu machen, denn "wer Wind sät, wird Sturm ernten" (Hosea, Kapitel 8, Vers 7) Wenn's den Manichäern in den Kram passt, muss auch die verdammte jüdische Tora herhalten.

Wir sehen, es wird ein allerdings sehr selektives täterzentriertes Denken gepflegt. Ersticht Abdullah seine Schwester, weil die den Schleier ablegen und einen Ostfriesen ehelichen möchte, müssen wir die kulturelle Bindung des gedemütigten Täters berücksichtigen und natürlich muss genau erforscht werden, wie's um die Kindheit des Verzweifelten bestellt war. Da tun sich dann Abgründe auf: der Vater, ein Moslem und gestrenger Patriarch, wurde wahrscheinlich als sehr dominant wahrgenommen, während die verschleierte Mutter meistens den Mund zu halten hatte und vom kleinen Abdullah als ausgesprochen unterwürfig erlebt wurde. Die Schuld an dieser ganzen Misere trägt die Gesellschaft, also die westliche Gesellschaft.

Stammt der Täter aus dem Reich der Finsternis, verschwendet der Querfrontler keine Zeit mit ihm. Auch wenn der Täter nur eine zugegeben widerwärtige Rede hält, wird zum Halali geblasen, die Bücher des Redetäters werden möglichst öffentlich geschreddert, die Vernichtung seiner Existenz wird gebührend gefeiert.

Vor 1989 hat man Menschen, die den Westen verachteten, oft empfohlen, doch "nach drüben zu gehen." Das geht nun nicht mehr, denn die Welt hat sich seitdem sehr verändert, auch in einer Weise verändert, die der Querfrontalist in seiner schicken Altbauwohnung noch nicht mitbekommen hat. Das macht nichts. Heute können wir einfach abwarten, bis "das Drüben" auch in den besseren Vierteln angekommen ist. Dann dürfte man "Heulen und Zähneklappern" (Mt 8, 11-12) durch die stuckverzierten Wände hören.

In dem Zusammenhang möchte ich das neue schlaue Buch von Alexander Kissler empfehlen. Kissler leitet seit 2013 den "Salon" des, jawohl, Cicero:
Keine Toleranz den Intoleranten. Warum der Westen seine Werte verteidigen muss.
Ich habe es gerne gelesen.  

 

  

Ein Lügner glaubt keinem An dieses sehr tiefsinnige Sprichwort muss ich immer denken, wenn ich die Propaganda (in der Vor-Merkelzeit gab e...